Vom Einfamilienhaus bis zum Nichtwohngebäude: Was jede belastbare Auslegung braucht
Über Fördersätze, Gerätewahl und JAZ wird viel geredet. Über die Grundlage, auf der all das steht, erstaunlich wenig. Dabei entscheidet sich die Qualität einer Auslegung nicht in der Software, sondern in dem, was man vorne hineingibt. Und genau da wird in der Praxis am meisten vernachlässigt.
Fünf Grundlagen, an denen sich gute von formal korrekter Auslegung trennt:
- Belastbare Eingangsdaten. Eine dokumentierte Heizlast nach DIN EN 12831 ist nicht automatisch eine richtige. Geschätzte Flächen, angenommene Bauteilaufbauten, pauschale U-Werte: Jeder Näherungswert pflanzt sich durch die ganze Rechnung fort.
- Ein sauberes Gebäudemodell: Der am häufigsten unterschätzte Schritt. Bevor gerechnet wird, muss das Gebäude erfasst werden: Geometrie, Zonierung, Hüllflächen. Hier passieren zwei Fehler gleichzeitig: 1) zu grob modelliert (Abweichungen, die sich aufsummieren) und 2) am falschen Detail zu fein (Aufwand, den die Norm gar nicht verlangt). Beim EFH verzeiht das noch einiges. Bei einem Nichtwohngebäude mit mehreren Zonen und komplexer Hülle wird das Modell zum eigentlichen Nadelöhr, zeitlich wie fachlich. Ein Modell, das nur „irgendwie passt", trägt seine Fehler in jede spätere Berechnung.
- Der Regelbetrieb, nicht nur der Extremfall. Die Norm-Heizlast sichert den kältesten Tag ab. Die Effizienz aber entscheidet sich im Teillastbereich, in dem die Anlage die meiste Zeit läuft.
- Anlagentechnik, die zum Gebäude passt und nicht umgekehrt. Oft wird die saubere Berechnung übersprungen und durch Faustregeln oder die Leistung des alten Kessels ersetzt, und dann noch mit „Sicherheitszuschlag". Genau das macht Überdimensionierung zum häufigsten und teuersten Auslegungsfehler.
- Nachvollziehbarkeit. Eine Auslegung, die niemand außer dem Ersteller prüfen oder anpassen kann, ist im Zweifel wertlos. Spätestens beim Planerwechsel oder einer Projektänderung.
Die Prinzipien sind bei Wohn- und Nichtwohngebäude dieselben. Was sich ändert, ist die Komplexität und die Konsequenz: Ein Fehler im EFH kostet ein paar Prozent Effizienz. Derselbe Fehler in einer großen Logistikhalle kostet ein Vielfaches, über Jahrzehnte!
Deshalb lohnt sich die Sorgfalt an der Basis. Am meisten dort, wo sie am aufwendigsten ist.
Wo seht ihr die größte Schwachstelle: Bei den Daten, beim Modell oder bei der Gerätewahl?